Dein Pferd – dein Spiegelbild

Es ist ja fast schon unverschämt, wie erbarmungslos und unverblümt uns Pferde einen Spiegel vorhalten können. 

Sie sind das Spiegelbild. Von uns. Von unserem Gefühlsleben. Von unserer Seele. Von unserer Stimmung. 

Ich habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, was die Leute immer meinen. Oft hört man das Pferd ist das Spiegelbild unserer Seele. Doch was genau heißt das denn überhaupt? So richtig bewusst ist mir das erst mit meinen beiden, eigenen Pferden geworden.

Besonders meine Tinkerstute hält mir den Spiegel ständig vor Augen. Erst heute hat sie mir das wieder deutlich gezeigt. Ich bin heute ausgeschlafen, gut gelaunt und völlig relaxt in den Stall gegangen. Ich habe sie in aller Ruhe geputzt, gesattelt und bin anschließend mit ihr in die Halle gegangen. Zum Reiten. 

Und oft läuft meine Dicke im Trab recht flott und spannig und wird erst lockerer, wenn man sie länger im Trab gearbeitet hat. Doch heute war sie von Anfang an soooo relaxt, dass ich echt erstaunt war. Ich habe den Zügel kaum angenommen und sie hat jede Bewegung ausgeführt und wir haben uns heute ohne große Worte und Gesten verstanden! Genau SO sieht für mich Zusammenarbeit aus. Ein echtes Team. 

Und wieso war das heute nun so? Wieso lief es so unglaublich toll? Ganz einfach: ich selbst hatte heute die Ruhe weg. Hatte keinen Stress, habe keine Probleme im Kopf gewälzt und war einfach nur völlig in meiner Pferdewelt.

Leider habe ich so einen losgelösten Zustand nur selten. Und ich bin mir sicher, jeder von euch kennt es: irgendetwas hat man IMMER im Kopf. Stress auf der Arbeit, Zeitdruck, man hat sich über jemanden oder etwas geärgert, man denkt über Probleme nach….und sooo viel mehr. Und das überträgt sich eben 1:1 auf unsere Pferdchen.

Es ist einfach ein Sinn, den wir nie völlig verstehen werden. Ein hochsensibles Gespür für all die Ängste und Sorgen, die wir in uns tragen. Und unsere Pferde knallen uns das schonungslos vor die Füße. Sicherlich gibt es Pferde, die stärker auf unsere Stimmung reagieren, während andere Pferde etwas weniger sensibel sind.

Doch meine Siobhán ist hier schon sehr aufmerksam und merkt einfach jedes kleine Bisschen an mir. Das fängt im Unterricht schon an. Ich habe hier sooo oft Probleme, dass sie mir einfach nur unter dem Hintern wegrennt und wir hier mehr gegeneinander, als miteinander arbeiten. Wenn wir alleine trainieren ist das nicht so! Und wieso? Einfach, weil ich beim Unterricht enorm angespannt bin. Alles richtig machen möchte, gestresst bin und sich das alles auf Siobhán überträgt.

Die Kunst als Reiter ist es nun zu lernen, alles völlig loszulassen, sobald man im Stall angekommen ist und sich mit Pferden beschäftigt. Ich weiß nicht, ob es Leute gibt, die das können. Ich kann es leider nicht. So gut ich auch alles verdränge und vor meinen Pferden verbergend verstecken möchte, sie decken es letztendlich doch auf…

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