Den „Draht“ noch nicht gefunden

Ja, wir haben den Draht zueinander noch nicht gefunden. Tari und ich…

Und diese Tatsache macht mir doch immer mal wieder schwer zu schaffen. Denn jemand wie ich, der Pferde doch über alles liebt, MUSS doch auch dieses Pferd sofort lieben! Oder?! Das tue ich aber einfach (noch) nicht. Tari ist momentan einfach nur da. Er guckt nett und ist brav. Und ich kümmere mich um ihn und gehe brav mit ihm laufen. Doch mehr ist da eben nicht…

Natürlich ist mir bewusst, dass man nach nur zwei Monaten keine innige Beziehung zu seinem Pferd haben kann. Aber etwas mehr sollte da doch schon sein. Ich habe das Gefühl, dass ich mich momentan nur aus Pflichtbewusstsein um Tari kümmere und nicht, weil er MEIN Pferd ist oder mir sooo sehr am Herzen liegt.

Bei Siobhán war das so völlig anders! Die war am Anfang ein richtiges Biest, ist mir beim Führen gestiegen und hat mir sogar den Zeh gebrochen. Und dennoch: sie hätte machen können, was sie wollte, ich hatte sie vom ersten Moment an lieb und egal, wie zickig sie war, ich fand sie einfach klasse. Dieses Gefühl fehlt mir bei Tari.

Aber woran liegt das? Weil Siobhán mein erstes Pferd ist? Weil Tari mir schon zuuu brav ist? Weil er verletzt ist? Oder, weil er einfach nicht zu mir passt?

Ich glaube einfach, dass Tari und ich keine richtige Chance bekommen haben, uns gut kennen zu lernen.

Zur Erinnerung: Tari zog am 10.02.2017 bei mir ein. Und seit dem 22.02.2017 ist er verletzt und darf höchstens Schritt geführt werden. Wir hatten also gerade einmal 12 Tage, in denen wir uns näher kommen konnten. Denn dann fing das ganze Drama mit dem Tierarzt und der Ungewissheit an. Niemand wusste, was los war. Niemand wusste, ob Tari überhaupt bleibt. Und niemand weiß bis heute, ob und wie er noch belastet werden darf.

Das hat unsere „Beziehung“ doch sehr belastet. Und die Frustration ist auf beiden Seiten sehr, sehr groß. Bei Tari, weil er „eingesperrt“ wird, nicht laufen darf und sich in seiner Box und mit der überschüssigen Energie langweilt und unwohl fühlt. Und bei mir, weil ich ein neues Pferd gekauft hatte, dass sofort krank wurde, das ich kaum bewegen darf und von dem ich nicht weiß, wie es später noch belastet werden darf.

Natürlich werden Pferde immer mal krank. Und natürlich kann so etwas immer passieren. Selbst dein kleines Fohlen kann sich auf der Koppel so blöd verletzten, dass es nie ein Reitpferd werden kann. Aber es ist (für mich persönlich) ein rießiger Unterschied, ob mein neu gekauftes Pferd, zu dem ich noch keine Beziehung aufbauen konnte krank wird; oder ob mein langjähriger Freund und treuer Begleiter krank wird. Versteht ihr, was ich meine?

Ich hatte schon einige Tage, an denen mich Tari einfach nur aufgeregt hat. An denen ich mich geärgert habe, dass ich seit Wochen nur Schritt laufen kann und mir das Pferd schon so viele Tierarztrechnungen gebracht hat und an denen ich an unserer gemeinsamen Zukunft gezweifelt habe. Nach wie vor bin ich fest entschlossen alles für Taris Genesung zu tun. Ich möchte, dass er wieder gesund wird und ein glückliches Pferdeleben leben kann. Aber ich bin mir unsicher, ob er bei MIR ein glückliches Pferdeleben haben wird. 

Die Menschen in meinem Umfeld sind der Meinung, dass sich das alles ändern wird, sobald Tari wieder gesund ist und ich wieder mehr mit ihm machen kann. Und natürlich werde ich uns weiterhin die Chance geben. Und ich bin mir sicher, dass Tari auch wieder aufblühen wird, sobald er wieder rennen und springen kann. Dann werden wir sehen, was die Zukunft bringt.

Wir hatten beide einen schwierigen Start zusammen. Und entweder schweißt uns das fest zusammen, oder  bringt unsere Wege weiter auseinander…

Ich finde, dass auch solche Dinge thematisiert werden müssen. Es ist nicht immer alles heiter Sonnenschein. Und manchmal passen Pferd und Reiter doch nicht so gut zusammen. Ich könnte mich auch hinstellen und so tun, als wäre alles perfekt. Aber ich möchte auf meinem Blog eben auch die Schattenseiten an der Pferdewelt thematisieren.

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