Die Sache mit dem Ausreiten

Nun, bevor ich ein eigenes Pferd hatte, habe ich mir immer vorgestellt, wie schön es doch wäre stundelange Ausritte über die Felder und durch den Wald zu unternehmen. Und im gestreckten Galopp durch die Gegend zu preschen. Alleine. Nur mein Pferd und ich.

Als ich dann meine Siobhán bekommen habe, musste ich aber schnell feststellen, dass das so schnell wohl nichts wird mit dem Ausreiten. Schon der Weg runter vom Hof löste bei meiner Stute Panik aus. Die Augen wurden groß und die Nüstern noch größer. Das ganze Pferd war eine einzige bebende Masse. Da fällt es schwer, dass man selbst trotzdem ruhig bleibt.

Ich habe versucht sie dann langsam an das Ganze heran zu führen. Bin immer wieder kleine Wege um den Hof spazieren gegangen. Auch mal mit anderen Pferden. Bis ich dachte, dass es nun ganz ok wäre und wir bereit für Ausritte sind. Zusammen mit einem anderen Pferd war mein Mädel auch ganz tapfer, sie hat zwar immer wieder Hüpfer gemacht und sich erschrocken, aber alles im Rahmen.

Ich habe dann an einem tollen, sonnigen Vormittag beschlossen, dass wir nun eine Runde alleine drehen können. Pferd also gesattelt und voller Zuversicht runter vom Hof. Ich musste immer wieder kämpfen, damit sie an „gruseligen“ Stellen vorbei geht, aber wir kamen vorwärts. Bis wir an einem Bach entlang geritten sind. Und ein Vogel aufgeschreckt wurde und hastig wegflatterte…

Ja, das fand meine Dame nun so gar nicht lustig und schlug so einen 180° Haken, dass ich seitlich vom Sattel gerutscht bin und mit dem Kopf voraus im Feld landete. Von meinem Pferd habe ich nur noch den Hintern gesehen, der im gestreckten Galopp davon raste. Auf die Bahnschranken zu. Und auf die viel befahrene Landstraße zu.

Ich konnte nicht viel mehr machen, als mein Handy zu zücken und jemanden vom Stall zu bitten mit dem Auto herzukommen und mein Pferd einzufangen. Es ging zum Glück auch wirklich alles gut aus. Niemandem ist etwas passiert. Ich bin sogar selbst wieder heim geritten, um die Sache nicht auf mir sitzen zu lassen.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich seit diesem „Vorfall“ ein wenig befangen bin und nicht mehr gerne ausreiten will bzw. es eigentlich möglichst umgehe. Ich stelle mir immer wieder die Frage: „Was, wenn so etwas wieder passiert. Und es dieses Mal nicht so gut ausgeht.“ Das ist nun schon einige Monate her und meine Stute ist immer noch sehr schreckhaft und guckig. Das wird sie auch bleiben, so ist ihr Charakter.

Ich habe mich dennoch nicht unter kriegen lassen und gehe sehr viel mit ihr spazieren und reite auch immer wieder kleine Strecken alleine rund um den Hof. Meine Dame soll ja schließlich die Umwelt kennen lernen und auch mal neue Umgebungen sehen. Aber eben keine richtigen langen Ausritte mehr…Hier bin ich selbst – und meine Stute eben auch – noch nicht so weit.

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