Unsere Anfänge Teil 3: Die erste gemeinsame Zeit

HIER und HIER könnt ihr die beiden anderen Teile lesen, falls ihr diese verpasst habt. Dann könnt ihr der „Geschichte“ ein wenig besser folgen 😉

Und nun zum dritten Teil meiner Reihe „Unsere Anfänge“. Heute möchte ich euch über die erste gemeinsame Zeit erzählen. Also die ersten Tage und Wochen, die wir dann zusammen im neuen Stall verbracht haben.

Ich finde, dass es für uns beide nicht immer ganz leicht war und wir durchaus kleinere und größere Startschwierigkeiten hatten. Für mich war es das erste eigene Pferd, hier ist (glaube ich) jeder besonders vorsichtig und irgendwie doch etwas verunsichert. Außerdem war ich in dem Stall auch komplett neu, kannte die Abläufe und Umgangsformen dort noch nicht und wusste eben allgemein noch gar nicht, wie es so im Stallleben zugeht.

Und für Siobhán war es eben auch eine große Umstellung. Sie stand vorher Tag und Nacht in einer Innenbox, ohne viel Licht und ich glaube auch nicht, dass sie auf die Koppel durfte oder anderweitig bewegt wurde. Plötzlich war da jemand, der sie jeden Tag putzen, betütteln und eben auch mit ihr arbeiten wollte. Mit den beiden ersten Punkten hatte sie gar nicht so die Probleme, aber der dritte Punkt schmeckte ihr so gar nicht. Von Arbeit hielt sie mal so gar nichts und weigerte sich eigentlich bei so ziemlich allem.

Ich hatte damals aber mit der Stallbesitzerin ausgemacht, dass sie 5x die Woche Beritt bei Siobhán macht. Viel konnte sie nämlich noch nicht und ich habe sie damals als „angeritten“ gekauft. Und der Begriff wird ja gerne mal ausgeweitet. Im Grunde konnte sie gar nichts. Selbst beim Longieren wollte sie immer wie ein Büffel auf und davon.

Um ehrlich zu sein, war ich richtig froh, dass Siobhán 5x die Woche geritten wurde und ich nicht den Druck hatte etwas mit ihr machen zu müssen. Denn wir zwei kamen erst einmal so gar nicht klar. Wollte ich sie über den Hof führen, hat sie die Nüstern aufgebläht, sich steif gemacht und ich wusste: bei der kleinsten Kleinigkeit geht dieses Pferd in die Luft. Aber so richtig! Also hatte ich schon Angst sie überhaupt aus der Box zu holen. Wollte ich in der Halle mit ihr arbeiten, ist sie mir sogar gestiegen und hat sich losgerissen. Beim Hufe auskratzen ist sie richtig wütend geworden und hat mich zum Teil absichtlich an die Boxenwand gedrückt oder mir blitzschnell ihren Hintern zugedreht. Gekickt hat sie zum Glück nie.

Auf Grund der ganzen Vorkommnisse und meiner enormen Unsicherheit beschränkte sich mein Umgang mit Siobhán also nur auf putzen, streicheln und mich zu ihr in die Box setzen. Damit sie sich an mich gewöhnt. Ich überließ also erst einmal alles der Trainerin.

Wie meine Trainerin aber eben so ist, wollte sie mich einfach ins kalte Wasser schmeißen und hat mich schon zwei oder drei Wochen nach Siobháns Ankunft einfach auf sie drauf gesetzt. „Das wird schon“, sagte sie immer. Famous last words 😆 Nein, es ging alles gut. Ich wurde kein einziges Mal abgebuckelt und Siobhán ließ es eben über sich ergehen. Trotzdem: sie war so extrem angespannt, dass ich nicht wirklich Vertrauen zu ihr hatte.

Nach und nach nahm sich meine Trainerin immer mehr raus und reduzierte den Beritt, bis sie mir eines Tages verkündete, dass ich nun alles alleine machen soll. Insgesamt vergingen nur wenige Wochen, bis ich mich komplett alleine um die Dicke kümmerte. Sie alleine geritten bin, sie alleine trainiert habe und ihr neue Sachen beigebracht habe.

Damals fand ich es natürlich so gar nicht lustig, dass sich meine Trainerin einfach komplett verabschiedete. Ich fühlte mich für GENAU DIESES Pferd einfach noch nicht bereit. Zu unerfahren und unsicher. Im Nachhinein war es aber das Beste, was sie hätte machen können. Siobhán und ich sind zusammen gewachsen, haben zusammen und voneinander gelernt und sind ein kleines Team geworden.

Wir sind nun erst seit April 2016 zusammen und ich finde wir haben beide schon sooo viel erreicht. Ich bin vom unerfahrenen und unsicheren Mädchen zu einer selbstbewussteren Pferdebesitzerin geworden, die mittlerweile recht schmerzfrei ist und auch keine Angst hat, sich auf fremde Pferde zu setzen. Siobhán hat sich vom, sagen wir einmal „Problempferd“, zu einem ruhigeren und ausgeglicheneren Charakter entwickelt, die an der Bodenarbeit sehr viel Freude gefunden hat und schon so viel gelernt hat und noch weiter lernt.

Natürlich haben wir beiden nach wie vor hier und da noch unsere Probleme. Aber ich bin stolz auf das, was wir schon in weniger als einem Jahr erreicht haben. Und ich finde, das kann man ruhig einmal auch laut aussprechen, ohne arrogant zu klingen. Also noch einmal: Ich bin stolz auf uns!  🙂

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