Verantwortung gegenüber meinen Pferden

In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, was es heißt ein Pferd oder in meinem Fall mehrere Pferde zu haben. Was bedeutet das eigentlich? Was bringt es mit sich, wenn man ein Pferd besitzt?

Das Offensichtliche ist ja hoffentlich klar. Ein Pferd zu haben bedeutet es füttern zu müssen, es zu versorgen, wenn es krank ist und es artgerecht zu halten. Eben die Grundbedürfnisse zu erfüllen.

Aber ich gehe noch einen Schritt weiter. Was ist mit unserer moralischen Verpflichtung gegenüber unseren Pferden? Ich finde, dass wir nicht nur Verantwortung, sondern eben auch Verpflichtung gegenüber unserem Pferd haben. 

Eine Stallkollegin meinte einmal: „Meinem Pferd geht es gut. Es hat einen warmen Platz zum Schlafen, bekommt Futter und muss nicht tagelang durchs Land ziehen, um Nahrung oder Wasser zu finden. Es hat keine natürlichen Feinde hier und dafür erwarte ich als Gegenleistung, dass es für mich zwei Stunden am Tag auch ordentlich arbeitet.“

Die Aussage empfinde ich an sich nicht falsch. Jedoch kennen Pferde keinerlei Gerechtigkeitssinn, kein „quid pro quo“, kein „wie du mir, so ich dir“. Ich finde also nicht, dass wir ERWARTEN können, dass das Pferd gerne für uns arbeitet oder uns gerne über den Reitplatz trägt.

Ich denke darüber anders. Vielmehr sollten wir DANKBAR sein, dass uns dieses 500 kg Tier so gewissenhaft und brav trägt. Aber erwarten dürfen wir das nicht.

Ein Pferd zu haben bedeutet für mich nicht nur die Verantwortung es zu Versorgen. Ein Pferd zu haben bedeutet für mich Verpflichtung diesem Pferd ein schönes und gerechtes Leben zu ermöglichen! 

Auch mein Pferd hat nur dieses EINE Leben. Meine Verpflichtung besteht darin, ihm dieses Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Hätten meine Pferde die Wahl, wären sie natürlich viel lieber frei und bei ihren Artgenossen. Meine Pferde sind nicht freiwillig in dem Sinne bei mir, sondern weil man sie eben gezüchtet oder gekauft hat. Jedes Pferd würde große, weite Wiesen und Artgenossen jederzeit dem Menschen vorziehen.

Umso wichtiger finde ich es, die Situation bei den Menschen und in „Gefangenschaft“ so schön und erträglich wie möglich zu gestalten. Ich drehe den Spieß nämlich um. Die meisten Menschen denken, das Pferd müsse etwas für sie tun. Weil man es ja füttert und versorgt. Ich sehe das Ganze von der anderen Seite und sage: ich muss etwas für mein Pferd tun, weil es nur das eine Leben hat und das so gut wie möglich sein soll.

Dieses eine einzige Leben, das mein Pferd hat, darf nicht verwirkt sein. Es muss ein tolles und glückliches Leben sein, wenn es schon bei den Menschen auf Koppeln und in Boxen, statt in freier Wildbahn sein muss!

Das ist eben meine Meinung. Das Pferd ist uns absolut gar nichts schuldig. Viele Leute denken aber leider so. Wer mir schon länger folgt, der weiß, dass ich meine Pferde über alles liebe, aber dennoch absolut keine „Tüddel-Tante“ bin. Auch meine Pferde müssen arbeiten und werden absolut jeden Tag trainiert und bewegt. Auch meine Pferde bekommen mal eine ordentliche Ansage, wenn sie nicht hören. 

Aber dennoch liegt es in meiner Verantwortung alles für sie zu tun, damit es ihnen gut geht!

Das könnte dir auch gefallen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.