Warum reite ich Siobhán nicht mehr??

Nun, wer mir auf Instagram aufmerksam folgt, der wird sicherlich bemerkt haben, dass ich Siobhán im Moment nicht mehr reite. Doch warum? Habe ich keine Lust mehr auf sie? Stelle ich sie nun nur noch weg? Definitiv kann ich hier beides mit einem klaren NEIN beantworten. 

Auch wenn Siobhán nicht mein Traumpferd ist, so ist sie doch von all meinen Pferden das „Besonderste“. Sie hat bei mir eine gesonderte Stellung und ich liebe sie über alles. Sie ist nicht so, wie ich sie mir vorgestellt habe, nicht immer einfach und beim Reiten tun wir uns sehr schwer und doch würde ich sie niemals hergeben! Sie ist mein erstes Pferd und wir hatten am Anfang einen schwierigen Start. Sie ließ sich nicht einmal richtig führen, stieg am Strick und war auch sonst sehr unangenehm. Doch genau diese Zeit hat uns so sehr zusammen geschweißt und wir haben es gemeistert. Siobhán ist für mich etwas ganz Besonderes und hat mich einiges gelehrt.

Doch nun zurück zur Frage, warum ich sie nicht mehr reite. Wie oben schon erwähnt, haben wir beim Reiten so unsere Schwierigkeiten. Wir sind nicht das harmonische Team, das wir sein sollten. Siobhán mag es generell nicht wirklich geritten zu werden und ist unterm Sattel sehr schwierig. Sie geht permanent gegen das Bein, akzeptiert keine Schenkelhilfen, ist maulig und legt sich aufs Gebiss. 

Ich habe Vieles mit ihr versucht. Von Bodenarbeit, über Unterricht bis hin zu Korrekturberitt. Mir wurde oft gesagt, Siobhán hat keinen Bock, sie ist zickig und sie muss tun, was man ihr sagt. Ganz schlimm war das Ganze im Galopp. Siobhán wollte partout nicht galoppieren und wenn, dann ist sie nur kopflos durch die Halle gerannt, was für Pferd und Reiter gefährlich war. Und auch hier kam immer die Aussage ich muss sie zwingen und sie MUSS galoppieren.

Mir hat es irgendwann gereicht! Ich kenne Siobhán und so „böse“, wie sie oft dargestellt wurde, ist sie nicht! Meine Meinung: es wurde zu früh zu viel von ihr verlangt! Ich beschloss mit ihr zurück auf Anfang zu gehen. Alles zu stoppen und unseren eigenen Weg zu gehen. Das Reiten habe ich ihr komplett von den Schultern genommen und mir zum Ziel gesetzt sie vom Boden aus erst einmal richtig aufzubauen. Erst, wenn ich der Meinung bin, dass sie vom Boden aus sicher ist und so trainiert und geschult ist, dass sie sich selbst richtig tragen kann, steige ich wieder auf.

So habe ich sie die letzten Monate nun mehrmals in der Woche am Kappzaum longiert. Keine Ausbinder, kein Schnickschnack. Die restlichen Tage waren wir Spazieren, haben Freiarbeit, Bodenarbeit oder Zirkustricks gemacht. Es gibt sooo vieles, das man neben dem Reiten mit den Pferden tun kann!

Als ich begonnen habe Siobhán so intensiv zu longieren, habe ich sehr schnell gemerkt, dass sie eigentlich nie wirklich bereit für’s Reiten war. Selbst im Trab konnte sie sich kaum ordentlich tragen, riss immer wieder den Kopf hoch, war angespannt und gestresst. Vom Galopp möchte ich gar nicht erst reden. Natürlich hatte ich auch vorher schon Bodenarbeit mit ihr gemacht und sie auch immer mal longiert, allerdings muss ich gestehen, dass mein Longieren früher eher daraus bestand, das Pferd im Kreis rennen zu lassen. Das gebe ich auch offen zu und mittlerweile sehe ich das Longieren natürlich ganz anders. 

Nachdem wir nun ein paar Monate intensives Longen-Training betrieben haben, machen sich deutliche Veränderungen bemerkbar. Siobhán trägt sich richtig toll selbst, streckt sich beim Laufen und schnaubt intensiv ab. Selbst im Galopp ist sie deutlich sicherer, lässt sich auch hier immer mal wieder fallen. Hier bedarf es zwar noch etwas Arbeit, aber es ist schön zu sehen, wie viel sich in den letzten Monaten getan hat. Auch die Bemuskelung hat sich sichtlich verändert und wurde schön aufgebaut.

Insgesamt hat uns die reiterliche Pause sehr, sehr gut getan. Ich bin froh, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe und mit Siobhán meinen eigenen Trainings-Weg gegangen bin. Auch Siobhán tut es richtig gut den Stress unterm Sattel nicht mehr zu haben und sie hat sogar Spaß am täglichen Longen-Training gefunden! Sie ist sehr motiviert, arbeitsam und immer voll dabei 🙂 

Was ich euch mit diesem Post sagen möchte: zum einen hat jedes Pferd sein eigenes Tempo und ihr solltet auf euch und euer Gefühl und nicht auf Andere hören, was euer Training angeht. Zum anderen ist Reiten eben nicht alles. Nicht jedes Pferd mag es geritten zu werden. Es gibt einfach auch Pferde, die nicht dafür gemacht sind und ihre Berufung eher in der Bodenarbeit oder Zirkuslektionen finden. 

Ich werde unseren Trainingsplan erst einmal noch eine Weile beibehalten und erst wenn ich das Gefühl habe, das wir so weit sind, werde ich wieder in Siobháns Sattel steigen. Vorher macht es einfach keinen Sinn und macht die ganze Arbeit der letzten Wochen nur kaputt. Allerdings heißt das jetzt natürlich nicht, dass ich Siobhán nie wieder reiten will. Auch für uns kommt irgendwann die richtige Zeit 😉 

Vor allem heißt es aber auch nicht, dass ich Siobhán nur noch weg stelle, nichts mehr mit ihr arbeite oder sie gar verkaufen will. Nie im Leben! Ich möchte euch einfach auch etwas Mut machen, falls es auch bei euch gerade nicht so richtig klappt im Training. Manchmal hilft es eben einen Gang zurück zu schalten und noch einmal etwas weiter unten anzufangen 🙂 

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