Was kostet (m)ein Pferd?

Bevor sich der geneigte Pferdeliebhaber seinen eigenen Vierbeiner kauft, steht er vor der ganz großen und alles bestimmenden Frage: Was kostet ein Pferd? Kann ich mir das leisten?

Nun…ich weiß nicht, was EUER Pferd kostet, aber ich kann euch einmal grob schildern, welche Erfahrungen ich mit meinen Pferden gemacht habe. Was ich monatlich an unvorhergesehen Kosten habe, welche Fixkosten ich zahle und was sonst so auf euch zukommt.

Bevor ich Siobhán geholt habe, habe ich auch ewig im Internet gegoogelt, damit ich nicht aus allen Wolken falle. Ich finde es einfach so super wichtig sich alles VOR dem Kauf gut zu überlegen, zu kalkulieren und auch ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn das Geld eben nicht ausreicht.

Wenn ich immer solche Beiträge im Internet lese wie: ich habe 1000 € gespart und möchte mir endlich mein Seelenpferd kaufen. Reichen dann 50 € monatlich? Da könnte ich echt k….n 😡 Das ist jetzt natürlich sehr überspitzt, aber es kommt wirklich sehr oft vor, dass sich Leute mit Minimalbeträgen Pferde kaufen und halten wollen.

Also schauen wir uns doch einmal an, welche Kosten WIRKLICH auf uns zukommen:

 

Der Pferdekauf – was kostet ein Pferd?

Hier kommt es ganz darauf an: Welche Ausbildung hat das Pferd? Wie alt ist das Pferd? Hat es Gendefekte, wie zum Beispiel PSSM? Hat es schon Turniererfolge? Ist es krank? Hat es eine Sonderlackierung? Hat es ein besonders gutes Pedigree?

Ich will ehrlich zu euch sein. Wenn ihr ein gutes Pferd haben wollt, mit guter Ausbildung und es auch noch gesund sein soll, dann solltet ihr ab 8000 € aufwärts in die Hand nehmen. Eher deutlich mehr. Dann habt ihr wirklich etwas ganz solides. Nach oben hin sind die Preise natürlich offen.

Auf meiner Pferdesuche habe ich die Erfahrung gemacht, dass gute Pferde eben kosten. Findet man ein Pferd für weniger Geld, hat es meistens Krankheiten, Unarten oder ist schon kaputt geritten. ALLE diese Pferde hatten IRGENDETWAS. Natürlich kann man auch ein super tolles, liebes Pferd für weniger Geld finden, aber hier fehlt es dann meistens noch an der Ausbildung oder die AKU fällt nicht so gut aus.

Wer in der wunderbaren Lage ist ein Pferd selbst komplett auszubilden, der hat ebenfalls die Chance ein ganz, ganz tolles Pferd für kleines Geld zu kaufen. Das hat dann eben noch keine Ausbildung oder wurde bisher nur angeritten.

Das Equipment – was braucht mein Pferd?

Hat man sich sein Herzenspferd nun gekauft, dann kommt noch das ganze Equipment hinzu. Und das kann sich wirklich verdammt läppern. Klar, am Anfang kauft man wahrscheinlich nur das das Nötigste: Putzzeug, Halfter und Strick, Sattel und Trense. Aber je länger man das Pferd besitzt, desto mehr und mehr kommt hinzu. Dann fehlt hier noch ein Knotenhalfter, dort eine gute Longierpeitsche, eine Decke für den Winter, Futterzusätze, verschiedene Gebisse und, und, und. 

Den Part „Equipment“ darf man wirklich nicht unterschätzen! Ich möchte lieber gar nicht erst zusammenrechnen, was ich jetzt bereits in nur einem Jahr schon ausgegeben habe. Als Hinweis: Ich bekomme sowohl bei Krämer, als auch beim Loesdau schon die 10% Rabatt. Und das schon kurz, nachdem ich Siobhán überhaupt erst gekauft hatte. 

Mit einem gut passenden(!!) Sattel und allem anderen, ist man hier auch schon locker wieder bei 3000 € oder mehr. Je nachdem, ob der Sattel gebraucht, neu oder sogar maßangefertigt ist.

Kleiner Tipp: Wenn ihr nicht unbedingt darauf besteht alle Sachen selbst zu besitzen und in eurem Spind hängen zu haben, dann könnt ihr sehr, sehr viele Sachen auch einfach ausleihen. 99,9 % von dem, was ihr brauchen werdet, liegt sowieso schon bei euch im Stall und ihr könnt sie bestimmt einmal ausleihen.

Der Unterhalt – wie hoch sind die Fixkosten?

Was zählt denn überhaupt zu den Fixkosten? Zuerst fällt einem hier – ganz klar – die Stallmiete ein. Auch hier kommt es wieder darauf an, in welchem Stall ihr steht. Wieviele Zusatzleistungen gibt es dort, wie groß ist der Stall und welche Haltungsform bietet er? Erfahrungsgemäß sind Offenställe beispielsweise günstiger, als ein adretter Englisch-Stall mit Solarium und co.

Die Mieten variieren hier sehr stark und können von 300 € bis 800 € oder mehr reichen. Ich persönlich zahle für meine beiden Paddockboxen jeweils 350 €, was ich sehr fair finde. Ich habe damit eine Vollpension und Geräte, wie das Laufband oder das Solarium zahlt man dann noch extra. Diese benutze ich aber so gut wie nie. Trotzdem ist es schön, sie im Notfall da zu haben.

Weitere Fixkosten, die regelmäßig auf einen zukommen, die man aber gerne vergisst, sind Dinge wie: Versicherungen, Hufschmied, Impfungen oder auch Zusatzfutter. Die möchte ich aber gerne unter dem Begriff „Nebenkosten“ anführen.

Die Nebenkosten – was kommt sonst noch dazu?

Ganz, ganz wichtig: die Versicherung. Zumindest eine Haftpflichtversicherung ist für jeden Pferdehalter ein Muss!! Hier gibt es kein Wenn und Aber. Sofort nach Kauf dem Pferdes (besser sogar noch davor) müsst ihr eine Versicherung abschließen, damit ihr im Falle eines Falles abgesichert seid. Ich zahle für meine beiden Pferde (davon ist eines Großpferd und eines Pony) ca. 200 € jährlich. 

Als nächstes kommt der Hufschmied. Der kommt bei uns ca. alle 6-8 Wochen. Je nachdem, ob euer Pferd beschlagen oder barhuf ist, variieren hier die Preise ebenfalls. Für meine Siobhán, die auf allen Hufen barhuf ist, zahle ich jedes Mal 25 €. Das ist aber ein recht günstiger Preis und im Normalfall bei anderen Schmieden etwas teurer. Mit vier Eisen kommt man dann schon teurer weg und ist dann locker mal bei 80-100 €.

Dann gibt es noch die Impfungen. Auch die darf man nicht außer Acht lassen. Pro Pferd liege ich hier meist bei ca. 70 €. Die Impfung ist in der Regel alle 6 Monate dran und hier wird sowohl Herpes, als auch Influenza geimpft. Die Tetanus-Impfung erfolgt nur alle 1-3 Jahre.

Zuletzt möchte ich an dieser Stelle noch das Zusatzfutter aufführen. Auch das vergisst man oft mit einzuberechnen, kann aber dennoch ganz schön auf den Geldbeutel drücken. Eventuell benötigt euer Pferd spezielles Futter, weil es zum Beispiel kein Zucker verträgt, oder es ist ein Sportpferd, dass zusätzliche Energie benötigt. Oder ihr benötigt Minerale, Vitamine oder einfach ein normales Kraftfutter. Auf den Monat hoch gerechnet, kann das alles auch relativ teuer werden und darf daher nicht außer Acht gelassen werden.

Das Unvorhergesehene – womit man nicht rechnet!

Diesen Teil kann man nicht genau mit einberechnen, aber man muss ihn immer im Hinterkopf behalten. Ihr solltet euch unbedingt und ganz dringend jeden Monat Geld weglegen, damit ihr vorgesorgt habt, falls euer Pferd krank wird. Oder schlimmer: eine OP benötigt. Das kann alles ganz schnell passieren und hier muss man wirklich vernünftig sein, sonst geht es zu Lasten eures Pferdes. 

Ich sehe es ja momentan selbst an meinem Tari. Es waren jetzt mittlerweile drei Tierärzte bei ihm und der dritte Tierarzt war bereits schon zweimal für uns da. Die Rechnungen möchte ich lieber gar nicht erst sehen. Dann muss nun auch noch ein Ultraschall gemacht werden, er hat Medikamente bekommen und, und, und. Und Tari hat „nur“ eine Sehnenverletzung. Sollte eurer Pferd mal etwas wirklich Schlimmes haben, schießen die Rechnungen nur so in die Höhe.

Daher: UNBEDINGT immer Geld zurücklegen oder eventuell sogar eine OP-Versicherung abschließen.

 

So, das war’s auch schon :mrgreen: Ich weiß, dass erscheint jetzt wirklich alles sehr, sehr viel. Aber ein eigenes Pferd ist durchaus machbar! Man muss am Anfang ja nicht gleich den teuersten Stübben-Springsattel kaufen oder sämtliches Equipment von den High-End Marken erwerben. Ich habe mir einige teurere Sachen auch erst nach und nach gegönnt und hatte am Anfang dann halt „nur“ etwas von der Krämer-Eigenmarke gekauft. Auch andere Sachen habe ich mir anfangs nur ausgeliehen und erst später selbst zugelegt. 

Man darf ein eigenes Pferd nicht unterschätzen, das ist schon klar, aber ich möchte euch trotzdem Mut machen, DASS es durchaus möglich ist. Ich hätte früher ja im Traum nicht daran gedacht, dass ich irgendwann mal ein eigenes Pferd, geschweige denn zwei eigene Pferde besitze 😯 

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