Wie ich mein Jungpferd auf das Satteln vorbereitet habe

Viele von euch wissen ja, dass ich ein Fohlen bzw. nun schon Jungpferd namens Dusty habe. Die Kleine ist meine zweijährige Appaloosa-Stute und wird momentan ganz schonend und langsam auf das spätere Leben als Reitpferd vorbereitet.

Zur Vorbereitung zählt für mich auch, dass sie schon jetzt das Gurten und Satteln kennen lernt, sodass es für sie zu einer völlig normalen und langweiligen Angelegenheit wird. So fühlt sie sich später beim Anreiten schon viel sicherer, da sie ja die Ausrüstung schon kennt.

Viele fragen mich immer, wie ich ihr denn das Satteln und Gurten beigebracht habe, daher dachte ich mir erstelle ich hierzu mal einen Beitrag, indem ich euch meine Vorgehensweise etwas näher erkläre.

 

Ein paar Dinge vorneweg:

  • Bitte tragt bei der Arbeit mit Jungpferden immer Handschuhe! Es sind einfach unerfahrene, junge Tiere, die immer mal etwas anders reagieren können oder sich schnell erschrecken.
  • Führt das Training auf einem befestigten, abgetrennten Platz oder in einer Halle durch. Achtet darauf, dass bei den ersten Übungen so wenig Ablenkung durch andere Menschen oder Tiere wie möglich herrscht, damit ihr euch voll und ganz auf euer Jungpferd konzentrieren könnt. Außerdem sollte der Platz gut durch Zäune gesichert sein. Am besten wäre eine Halle, falls sich euer Pferd losreißt und weg rennt.
  • Die unten aufgeführten Schritte habe ich über viele Wochen und Monate geübt und meinem Jungpferd immer wieder einige Tage Pause gelassen. Gebt eurem Pferd die Zeit, die es braucht! Und geht erst zum nächsten Schritt, wenn alles hundertprozentig sitzt und klappt.
  • Ich bin kein Profi! Ich erläutere hier nur, wie ICH persönlich mit meinen Pferden arbeite. Mein Wissen habe ich mir durch viel Erfahrung mit meinen Pferden, aus diverser Fachliteratur, durch Lernen bei anderen Trainern und durch gesunden Menschenverstand angeeignet. 
  • Ich habe alles komplett alleine mit Dusty erarbeitet, wenn ihr allerdings noch etwas unsicher oder nicht so erfahren seid, dann ist es immer besser einen guten(!) Trainer hinzu zu ziehen und bei den Übungen eine zweite Person dabei zu haben.

 

Schritt 1: Das Seil

Der erste Schritt war ein dickeres, stabiles Seil (am besten ein Bodenarbeitsseil, das lang genug ist) zu nehmen und es Dusty in der Höhe der Gurtlage um Bauch und Rücken zu legen. Zunächst war es immer nur ganz locker und lag nur leicht am Körper an. Sobald Dusty das Seil akzeptiert hatte, zog ich es Schritt für Schritt etwas enger zu, sodass es irgendwann so fest wie ein Gurt um ihren Körper lag. Als sie auch das im Stand akzeptierte, gingen wir so ein paar Schritt durch die Halle, damit Dusty sich auch in Bewegung an das Gefühl gewöhnen konnte.

Dusty hatte hier recht schnell gelernt, dass das Seil absolut nichts Schlimmes ist und so konnten wir schon bald einen Schritt weiter gehen.

Schritt 2: Schabracke und Longiergurt

Es folgte der nächste Schritt: eine Schabracke oder eine andere Sattelunterlage. Die ist nämlich schon deutlich größer als das Seil und deckt viel mehr vom Rücken ab, sodass es wieder ein völlig neues Gefühl für das Jungpferd ist. Zunächst ließ ich Dusty zuerst an der Schabracke schnuppern, zeigte ihr alles und rieb sie am ganzen Körper damit ab. Als sie die Schabracke nicht mehr gruselig fand, legte ich sie auf den Rücken. Ohne Gurt oder etwas anderes! Mit der losen Schabracke auf dem Rücken ließ ich Dusty wieder durch die Halle laufen, bis auch die Schabracke völlig normal für sie geworden war.

Als nächstes kam nun der Longiergurt zum Einsatz. Dusty kannte es nun also schon etwas Leichtes auf dem Rücken zu tragen und etwas straffes um dem Bauch zu haben. So konnte ich also nun die Schabracke mit dem Longiergurt befestigen, wobei ich hier immer noch darauf geachtet habe, den Gurt nicht zu eng zu stellen. Nur so, dass er gut am Körper anlag und nicht herum schlackern konnte. Mit dem Longiergurt und der Schabracke auf dem Rücken habe ich dann langsam begonnen Dusty in allen drei GGA auf einem sehr großen Zirkel zu „Longieren“. Natürlich darf man hierunter kein richtiges Longieren verstehen, sondern nur ein lockeres Laufen lassen. 

Ziel war es auch hier wieder, dass Dusty die Ausrüstung in Bewegung kennen lernt. Beim Laufen fühlt sich schließlich alles noch einmal etwas anders an, als wenn man nur langsam Schritt geht oder sogar steht.

Dieses Programm habe ich so lange wiederholt, bis ich irgendwann das Gefühl hatte, dass Dusty völlig frei und locker mit dem Gurt läuft. Als nächstes wird der Gurt dann richtig gut fixiert und so fest, wie beim Reiten mit Sattel zugemacht. Geht hier bitte behutsam und langsam vor und achtet immer darauf, wie euer Pferd beim Festziehen des Gurtes reagiert!

Auch mit dem stramm zugezogenen Longiergurt wird nun wieder so oft geübt, bis das Pferd den Gurt und das Gefühl damit akzeptiert.

Schritt 3: Ein Reitpad oder Ähnliches

Der nächste Schritt war für Dusty und mich schließlich eine leichte Steigerung zur Schabracke, nämlich unser Brockamp Reitpad. Das ist schon etwas schwerer als eine Schabracke und kommt von der Größe her einem Sattel schon ziemlich nahe. 

Da Dusty das Festgurten schon in- und auswendig kannte, konnte ich das Reitpad von Anfang an schon so fest zugurten, wie ich es auch beim Reiten machen würde und habe sie schließlich auch damit „longiert“. Auch hier wird die Übung wieder so lange durchgezogen, bis das Pferd völlig gelassen läuft.

Man könnte nun denken, dass man diesen dritten Schritt doch eigentlich auslassen und gleich zum Sattel greifen könnte, doch mir persönlich war der Sprung von Schabracke zum „schweren“ Sattel einfach noch zu groß und so fand ich das Reitpad ideal. Dieses schwingt beim Laufen nämlich noch einmal völlig anders auf dem Rücken des Pferdes mit, als eine leichte Schabracke. So konnte sich Dusty schon toll daran gewöhnen, dass sich auf ihrem Rücken auch etwas bewegt und in ihrer Bewegung mitgeht.

Falls man kein Reitpad hat, könnte man zum Beispiel auch ein schweres, großes Westernpad nehmen, welches ja ebenfalls eine Steigerung zur Schabracke darstellt.

Schritt 4: Der Sattel mit und ohne Steigbügel

Kommen wir nun zur „Königsdisziplin“. Ihr habt es nun geschafft, dass euer Jungpferd völlig entspannt und frei sowohl mit zugezogenem Gurt, als auch mit Schabracke und Pad auf dem Rücken läuft. Nun kommt das, worauf wir hin gearbeitet haben: der Sattel!

Auch hier sollte man wieder ganz behutsam vorgehen, denn der Sattel ist noch einmal etwas völlig Anderes für unser Pferd. Er ist groß und schwer und durch den Baum auch relativ steif und fest. Eine Schabracke ist schließlich nur ein Stoff, der nachgibt. Lasst das Pferd den Sattel zunächst begutachten, daran schnuppern und versucht den Sattel erst nur über dem Rücken des Pferdes zu halten, ohne ich gleich drauf zu legen. Ist das Pferd entspannt, kann der Sattel vorsichtig aufgelegt und fest gegurtet werden.

Wichtig ist hierbei den Gurt gleich so fest zuzumachen, dass der Sattel sicher fixiert ist. Es ist schon so oft vorgekommen, dass ein Sattel aufs Pferd gelegt wurde und der Gurt nur locker verschallt war und das Pferd sich dann doch erschrocken hat und losgerannt ist. Durch den zu lockeren Gurt kann es dann ganz schnell passieren, dass der Sattel um den Bauch herum rutscht und plötzlich unter dem Pferd hängt. Das löst natürlich pure Panik beim Pferd aus. So etwas darf auf keinen Fall passieren, deshalb an dieser Stelle noch einmal: der Sattel kommt erst ins Spiel, wenn euer Pferd bei allen voran gegangen Schritten absolut stressfrei und ruhig ist!

Dusty hat den Sattel von Anfang an ganz gelassen hingenommen, sodass ich hier keinerlei Probleme hatte. Das ist unter Anderem aber auch der guten Vorarbeit zu verdanken! So konnte ich Dusty dann mit Sattel longieren und beobachten, wie sie reagiert. Es ist völlig normal, wenn junge Pferde am Anfang etwas klemmig laufen, doch das legt sich sehr schnell, sobald sie sich an das Gefühl gewöhnt haben. Als das bei Dusty der Fall war, konnte ich zum nächsten Schritt übergehen und die Steigbügel herunter machen, sodass sie frei hängen.

Ziel ist es hier, dass die Pferde lernen, dass sich etwas an ihrem Bauch bewegt und sie dort immer mal wieder berührt werden. Außerdem lernen sie so schon erste Bewegungen vom Sattel aus kennen, da der schlackernde Bügel schon eine erste Vorbereitung auf das spätere Reiterbein darstellt.

So könnt ihr euer Pferd nun mit Sattel und hängenden Steigbügeln longieren und später schon erste richtige Übungen an der Longe einbauen. Der Sattel soll für das Pferd etwas ganz Banales und Langweiliges darstellen. Sobald das der Fall ist, kann man die Übungen sogar weiter steigern und Gewichte über den Sattel hängen, damit das Pferd sich auch an das spätere Reitergewicht gewöhnen und seine Balance finden kann.

 

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Beitrag ein wenig helfen und euch gute Einblicke in mein Training liefern. Ich persönlich lege sehr viel Wert darauf, dass alles schonend abläuft und stets mit Spaß für Pferd und Mensch verbunden ist. Außerdem gebe ich meinen Pferden immer viel Zeit das Gelernte zu verarbeiten. Mir ist einer fairer Umgang und eine pferdefreundliche Ausbildung sehr wichtig! Denn alles, was man sich vom Boden aus erarbeitet, klappt später beim Reiten umso besser!

Das könnte dir auch gefallen:

2 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.