Ist mein Pferd unglücklich?

Genau so gut kann ich auch fragen: ist mein Pferd glücklich. Ich stelle mir diese Frage in letzter Zeit oft. Ich glaube jeder, der sein Pferd liebt, denkt mindestens einmal im Laufe der Zeit über diese Frage nach. Eher deutlich öfter.

Ich sehe mein Pferd in letzter Zeit etwas anders an. Kritischer, schaue genauer hin und sehe ihr in die Augen. Ich habe das Gefühl irgendetwas ist anders.

Seit ich sie habe, war ich immer für sie da. Ihre Ansprechperson und es gab quasi nur uns beide. Ich bin wirklich jeden Tag zu ihr in den Stall gefahren, habe immer wieder Neues mit ihr ausprobiert, mir jeden Tag etwas Schönes für sie einfallen lassen. Und nach ca. einem halben Jahr haben wir zusammen gefunden. Wir waren ein kleines Team.

Bin ich zur Koppel gegangen, hat sie mich von Weitem schon gesehen und am Tor auf mich gewartet. Das macht sie in letzter Zeit nicht mehr.

Was hat sich geändert? Nun, sehr viel sogar. Auch wenn ich mein Bestes gegeben habe und wir zusammen schon viel erreicht haben, fehlte doch der letzte Schliff. Mehr Durchlässigkeit einfach. Daher habe ich mich entschieden einen Trainer mit ins Boot zu holen.

Nun gibt es eben nicht mehr nur uns beide. Ich reite sie nun kaum noch und auch sonst ist das Zusammensein irgendwie verloren gegangen. Während bei uns beiden der Fokus eher auf Spaß und Freude an der Arbeit lag, heißt es beim Trainer nun hartes Training und Leistung erbringen.

Ich sehe ganz eindeutig, dass sie keinen Spaß daran hat. Auch wenn sie während des Beritts abschnaubt, so zeigen ihre Augen doch, dass sie gerne etwas anderes machen würde. Natürlich arbeiten Pferde nicht immer gern, das ist mir bewusst. Jedoch frage ich mich, ob es das alles wert ist?

Die Bindung, die wir vorher hatten, scheint irgendwie fort zu sein. Ich bin nach wie vor natürlich jeden Tag dort und bei jedem Beritt dabei. Aber es ist eben nicht dasselbe, wie vorher. Sie wirkt manchmal ein wenig traurig und wenn ich Zwischendurch mal wieder Bodenarbeit mache oder einfach mit ihr herumalbere, wirkt sie richtig ausgelassen.

Daher die Frage: ist mein Pferd unglücklich? Mit dem Beritt? Dass wir nun durch den Trainer nicht mehr jeden Tag etwas machen und Spaß haben? Weil sie wirklich arbeiten muss?

Ich denke jeder sollte einmal kritisch sein und überlegen, was sein Pferd eigentlich glücklich macht und ihm Spaß macht. Und je nachdem auch überlegen, ob man den Trainingsplan oder die tägliche Arbeit ändern sollte.

Ich für meinen Teil versuche nun die restlichen vier Tage in der Woche, an denen der Trainer nicht kommt, soviel Spaß wie möglich mit meinem Pferd zu haben und die Zeit zu zweit zu genießen. Wir gehen viel spazieren, machen Bodenarbeit und lassen es einfach ruhig angehen. Ohne Druck und ohne Zwang. Und ich merke, dass es uns beiden gut tut.

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